Mikroinvasive Therapien bei kolorektalen Lebermetastasen
Lebermetastasen aus Kolon und Rektum lassen sich heute in vielen Fällen mit mikroinvasiven Methoden gezielter behandeln als mit der klassischen Chemotherapie. Besonders zwei Methoden haben sich als wirksam und schonend erwiesen.
Das Wichtigste auf einen Blick!
- Kolorektale Lebermetastasen entstehen, wenn sich Zellen aus einem Darmtumor in der Leber ansiedeln.
- Sie zählen zu den häufigsten Organmetastasen bei Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom).
- In den meisten Fällen werden sie erst entdeckt, nachdem der Primärtumor im Darm diagnostiziert wurde, aber gelegentlich handelt es sich dabei um den Erstbefund.
- Nicht alle kolorektalen Metastasen lassen sich chirurgisch entfernen; gerade bei multiplen oder ungünstig gelegenen Herden ist eine Operation nicht möglich.
- Systemische Chemotherapie wirkt zwar im ganzen Körper, erzielt aber in der Leber nicht immer eine ausreichende Tumorkontrolle.
- Moderne Bildgebungsverfahren helfen heute, Lebermetastasen frühzeitig zu erkennen und präzise zu lokalisieren.
- Neue minimalinvasive Methoden ermöglichen eine gezielte Behandlung direkt an den Tumorherden.
- Dazu zählen die transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die Thermoablation mit Radiofrequenz (RFA) oder Mikrowellen (MWA).
- Behandlungsziel ist es, die Tumorlast in der Leber zu reduzieren, Heilung zu ermöglichen oder zumindest ein Downstaging für eine spätere Operation zu erreichen.
Transarterielle Chemoembolisation (TACE)
Dabei wird ein Chemotherapeutikum direkt über die Leberarterie in den Tumor geleitet. Gleiches erfolgt mit winzigen Partikeln, die die Blutversorgung der Metastasen blockieren. So bleibt der Wirkstoff gezielt vor Ort und entfaltet dort seine maximale Wirkung, ohne systemisch und mit höherer Dosierung Unheil im ganzen Körper anzurichten. Das gesunde Lebergewebe bleibt dabei weitgehend verschont.
Thermoablation (Radiofrequenzablation [RFA] oder Mikrowellenablation [MWA])
Bei dieser Technik wird über die Leistenarterie eine Sonde direkt in die Metastase eingebracht. Durch gezielte Hitzentwicklung werden die Tumorzellen „gekocht“ und dauerhaft zerstört. Diese gezielte und hochpräzise Methode eignet sich besonders für einzelne oder wenige Metastasen bis etwa 3 Zentimeter Durchmesser.
Beide Verfahren arbeiten minimalinvasiv: Sie erfolgen unter örtlicher Betäubung für die TACE oder kurzer Narkose bei der Thermoablation, mit nur einem kleinen Einstich in der Leistengegend zur Punktierung der Leistenarterie oder mit einer direkten Punktion. Der damit verbundene stationäre Aufenthalt ist meist kurz, oft reichen zwei Tage aus. Die beiden Verfahren können auch mit anderen kombiniert oder wiederholt durchgeführt werden, etwa im Rahmen eines interdisziplinären Konzeptes zur Tumorbehandlung. Aktuell gehören beide mikroinvasiven Verfahren zu den Leitlinien der EMSO für metastasierende kolorektale Karzinome.
Elektrochemotherapie (ECT)
Bei dieser innovativen Methode wird ein Zytostatikum (meist Bleomycin) über eine Vene verabreicht und anschliessend durch gezielte elektrische Impulse in die Tumorzellen „eingeschleust“. Dieses als Elektroporation bezeichnete Verfahren öffnet für kurze Zeit die Zellmembranen, sodass der Wirkstoff in hoher Konzentration direkt in die malignen Zellen eindringen kann. Insbesondere bei schlecht durchbluteten Metastasen oder als Ergänzung zu anderen Verfahren hat sich die ECT als wirkungsvoll erwiesen und vereint hohe lokale Wirksamkeit mit sehr guter Verträglichkeit. Eingesetzt wird sie vornehmlich bei einzelnen, gut erreichbaren Herden; dieser Eingriff kann je nach Lage der Metastasen perkutan erfolgen.
Geeignet bei:
- diagnostisch gesicherten Lebermetastasen aus einem kolorektalen Primärtumor
- nicht oder nur schwer operablen Befunden
- Wunsch nach gezielter und organschonender Behandlung
- Kombination mit systemischer Chemotherapie und/oder zur Überbrückung eines Behandlungsintervalls
Vorteile:
- präzise Zerstörung oder Schrumpfung der Lebermetastasen
- zur Vorbereitung einer Operation
- Schonung des gesunden Lebergewebes
- sehr kurze Erholungszeit und geringe Komplikationsrate
- Wiederholbarkeit bei neuen oder wiederkehrenden Tumorherden
- Verbesserung der Lebensqualität
- gegebenenfalls Tumorfreiheit
Mikroinvasive Therapie bei kolorektalen Lebermetastasen: Warum nicht einfach operieren?
Die Leber ist ein äusserst regenerationsfreudiges Organ, doch eine Operation ist nicht immer möglich. Gründe dafür sind unter anderem
- Lage der Metastasen in nicht resezierbaren Bereichen
- eine zu hohe Anzahl von Tumorherden
- reduzierter Allgemeinzustand und/oder Begleiterkrankungen, die eine Operation zu riskant machen
Hier bieten mikroinvasive Verfahren eine echte Alternative: Sie erhalten möglichst viel gesundes Lebergewebe und können mehrfach eingesetzt werden.
Fazit zur mikroinvasiven Therapie bei kolorektalen Lebermetastasen
TACE und Thermoablation bieten heutzutage für viele Betroffene mit kolorektalen Lebermetastasen neue Chancen: Gezielte Behandlung mit minimalem Eingriff bei maximaler Wirkung und guter Verträglichkeit. Besonders bei nicht operablen Fällen oder als ergänzende Massnahme im onkologischen Gesamtkonzept haben sich diese Methoden als wirkungsvoll erwiesen.
Sie möchten wissen, ob eine mikroinvasive Therapie bei kolorektalen Lebermetastasen auch für Sie infrage kommt? Über die individuelle onkologische Behandlung entscheidet ein interdisziplinäres Tumorboard. Daher besprechen wir die Möglichkeiten einer mikroinvasiven Therapie mit den Onkologen, mit denen zusammen wir ein gemeinsames Behandlungskonzept für Sie entwickeln können.
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